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Von Michael Becker

Es gibt Augenblicke im Leben, die bleiben für alle Zeiten im Gedächtnis haften. Meine erste Begegnung mit Bernd Schneider gehört ganz sicher dazu. Ich muss also gar nicht lange in meinen Erinnerungen forschen: Im Frühjahr 1999, bei einer USA-Reise der deutschen Nationalmannschaft in Florida, machte ich erstmals Bekanntschaft mit Bernd Schneider. Ich sah dort einen überragenden Fußballspieler, der mit seiner Ballbehandlung und Spielweise so gar nicht in das damalige Bild des deutschen Rustikal-Fußballers passen wollte. Dies zu seinen Fähigkeiten und Qualitäten auf dem Platz.

Abseits des grünen Rasens fiel mir sofort auf, dass sein Auftreten eher als „unternormal“ zu bezeichnen war. Mir gelang es kaum, ihn innerhalb der DFB-Delegation als aktuellen Nationalspieler auszumachen, geschweige denn zu erkennen.

Zum Abschied seiner Karriere blicke ich jetzt auf eine zehnjährige Zusammenarbeit mit ihm zurück. Und ich stelle ebenso verwundert wie aber auch sehr erfreut fest, dass sich der Mensch Bernd Schneider in dieser Zeit trotz seiner enormen fußballerischen Erfolge immer selbst treu geblieben ist. Sein Charakter hat sich nie verändert. Ich würde ihn wie zu Beginn seiner Laufbahn auch heute noch als zurückhaltend, freundlich und immer authentisch bezeichnen.

Bernd Schneider blieb immer Bernd Schneider. Wer kann schon von sich behaupten, den zahlreichen Verlockungen dieser Fußball-Branche widerstanden zu haben und auf dem Teppich geblieben zu sein? Bernd hat es geschafft, er tat es. Warum? Weil er den Ball, die Intelligenz des Spiels und den Teamgeist über alles andere stellte. Lautsprecher der Liga?

Die waren ihm verpönt, weil sie ihren Egoismus auslebten. Bernd formulierte seine Ansichten eher präzise dort, wo sie auch hingehörten – ins Innenleben einer Mannschaft. Skandale? Nicht mit ihm, nicht dran zu denken. Seine ganze Zuneigung galt ausschließlich dem Spiel. So sehr, dass ich einmal behauptete, er würde auch ohne Geld spielen.

Diejenigen, die ihn wirklich gut kennen, würden stets sofort unterschreiben: Bei Schnix weiß jeder, woran er ist, bei ihm merkt jeder jederzeit, was er an ihm hat. Dies war auf dem Platz nicht anders als neben dem Spielfeld.

Das sportliche Fazit spricht ohnehin für sich: Durch seine Art Fußball zu spielen hat er in den vergangenen zehn Jahren das Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft und bei Bayer 04 Leverkusen ganz entscheidend mitgestaltet und geprägt.

Ich habe es zu jedem Zeitpunkt als eine ganz besondere Auszeichnung empfunden, mit diesem überragenden Fußballspieler seit Beginn seiner Länderspielkarriere 1999 bis heute und darüber hinaus zusammenarbeiten zu dürfen. Und ich kann heute ohne Umschweife behaupten:

Ich habe einen Freund gewonnen.

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