BS196
BS196

Meine Klubs - meine Mannschaften

BS196

Deutsche Nationalmannschaft

Ich bin immer stolz gewesen und fühlte mich im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet, wenn ich für unsere Nationalelf auflaufen durfte. Die DFB-Auswahl war ein Jahrzehnt lang neben Bayer 04 meine zweite Heimat. Mein Stellenwert in dieser Mannschaft war für mich immerzu etwas besonderes und logischerweise besonders wichtig. Außerdem habe ich mich jederzeit in dieser Gruppe willkommen gefühlt. Von daher ist es verständlich, dass ich in der Regel positiv gestimmt von den Lehrgängen und Spielen mit diesem Team zurückkehrte, vor allem dann, wenn's im Verein mal nicht so gut lief und wir bei Bayer 04 eine schwierige Phase hatten.

Die WM 2002 in Japan und Südkorea war ein erstes spektakuläres Ereignis. Ich war von Anfang an der festen Überzeugung, dass wir ins Finale kommen können, obwohl wir ja dann doch einiges an Fortune und die überragende Form unseres Torwarts Oliver Kahn brauchten, um dieses Ziel zu erreichen. Das Endspiel gegen die Brasilianer war eindeutig unsere überzeugendste Turnier-Leistung. Aber es reichte nur zum Vize. Für mich besonders schmerzlich. Es war das vierte Mal binnen kürzester Zeit.

Die Heim-WM 2006 hat dann alles in den Schatten gestellt. Ich war Kapitän jener Nationalmannschaft, die am 9. Juni in München das Eröffnungsspiel gegen Costa Rica bestritten hat. Diese Atmosphäre, unbeschreiblich. Vor eigenem Publikum die Nationalhymne zu singen, das ist das Größte, was ein Fußballer erleben kann. Fantastisch.

Ich war schon immer ein Deutschland-Fan, und das wird auch so bleiben. Auch zu DDR-Zeiten. Ganz am Anfang war ich für Argentinien, vor allem wegen Maradona.

81 Spiele habe ich für die deutsche Nationalmannschaft bestritten. Es hätten gerne noch ein paar mehr sein dürfen, denn die WM 2010 als Abschluss meiner Karriere war mein Ziel. Schade.

Aber ich möchte keins missen.

Bayer 04 Leverkusen

Der 1. FC Kaiserslautern war im Frühjahr 1999 der ernsthafteste Konkurrent für Leverkusen, als es um den nächsten Schritt meiner Karriere ging. Zwar war ich noch zwei weitere Spielzeiten vertraglich an die Eintracht gebunden, hatte aber in meinem Kontrakt eine Ausstiegsklausel, die mir (bei zwei Millionen Mark Ablösesumme) den Wechsel zu einem Champions-League-Teilnehmer ermöglichte. Das traf ja auf Bayer 04 zu. Die heutige „Werkself", die damals noch nicht so hieß, wurde von Christoph Daum trainiert und „rüstete" in diesem Sommer personell mächtig auf. Neben mir kamen noch Oliver Neuville, Thomas Brdaric und (aus Kaiserslautern) Michael Ballack. Ich betrachtete die BayArena als geeignete Plattform, mich international zu präsentieren, und rechnete mir gute Chancen im Hinblick auf die Nationalmannschaft aus, für die ich am 29. Juli 1998 gegen Neuseeland mein Debüt gefeiert hatte. Das war ja, wie sich zeigen sollte, nicht so falsch.

Bei Bayer 04 hatte ich auf Anhieb einen Stammplatz in einem hochklassig besetzten Team. Ich hab' vom ersten Trainingstag an versucht, die Empfehlung meiner Frankfurt Freunde umzusetzen, sich durch nichts und niemanden beeinflussen zu lassen und den Leuten in Leverkusen zu zeigen, was ich drauf habe. Ein bisschen half mir auch, dass Michael Ballack leider wegen einer Verletzung die ersten drei Monate ausfiel. Das ist im Fußball nicht anders als im „normalen" Leben.

Ich muss sagen, in Leverkusen hat für mich sofort alles gepasst. Die Trainings- und Spielbedingungen waren für uns professionell und optimal eingerichtet. Ich habe mich sportlich und menschlich absolut wohl gefühlt. 296 Bundesligaspiele (davon 33 für Frankfurt) weist meine Statistik aus. Eigentlich hatte ich trotz dutzender verlockender Angebote nie das Verlangen mich zu verändern.

Halt, da gibt's doch Ausnahmen. Am Ende unserer großartigen Saison 2001/02 bei Bayer 04 gab es ein auch für Leverkusen lukratives Angebot des großen FC Barcelona. Das wär's gewesen. Barca wäre meinem Verständnis von Fußball, meiner Art, Fußball zu spielen, gerecht geworden. Leider ist nichts draus geworden. Schade, es wäre eine schöne Erfahrung gewesen. Ich hätte es gerne wahrgenommen, aber ich bedauere es keineswegs, daß der Wechsel nicht zustande kam. Im Jahr darauf wollte mich Klaus Toppmöller mit nach Barcelona nehmen, aber er bekam letztlich den Trainer-Job nicht. Während der WM 2006 hat Jürgen Klinsmann mal geäußert, ich wäre der erste, den er mitnehmen würde, wenn er morgen Trainer bei Real Madrid würde. Danke für das Kompliment.

Eintracht Frankfurt

1998 erfüllte sich für mich ein Traum, den ich praktisch seit Kindesbeinen im Kopf hatte. Ich bekam die Möglichkeit, in der Fußball-Bundesliga zu spielen. Und das auch noch im Trikot mit dem Adler, bei der Frankfurter Eintracht, einem absoluten Traditionsverein, neben Borussia Mönchengladbach einem meiner beiden Lieblingsklubs. Ich war damals vertragslos. Wir waren mit Carl Zeiss abgestiegen, die Eintracht war gerade ins Oberhaus aufgestiegen, als mir Präsident Rolf Heller ein Angebot unterbreitete, das mir zusagte. Endlich Bundesliga!

Das Jahr in Frankfurt war für mich aufregend und aufschlussreich. Im Klub ging's zeitweise hektisch drunter und drüber. Vier Trainer und zwei Sportdirektoren waren am Werk. Aber ich gehörte zum Stammpersonal, bekam regelmäßige Einsatzzeiten, man war menschlich offen zu mir und wo ich Hilfe brauchte, habe ich sie auch bekommen. Ich habe in dieser Zeit einige dauerhafte Freundschaften aufgebaut und freue mich über die Sympathie, die ich auch heute noch bei den Fans spüre, obwohl ich doch nur eine Saison lang da war.

Sportlich war der Clou natürlich der dramatische Endspurt der Saison 1998/99 um den Klassenerhalt. Unvergesslich das „Finale", als Trainer Jörg Berger die Mannschaft im Waldstadion zum entscheidenden 5:1-Triumph über den 1. FC Kaiserslautern führte.

FC Carl Zeiss Jena

„Lichtstadt" nennt sich meine Heimatstadt an der Saale im Herzen Thüringens. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich als sechsjähriger Knirps bei Aufbau Jena (heute SV Lobeda 77) das Fußballspielen gelernt. Drei Jahre später nach einem Tunier wurde ich zum FC Carl Zeiss Jena delegiert. Die Trainer, die mich dort unter ihre Fittiche nahmen, haben, jeder auf seine Art, eine sehr gutr Grundlage für meine sportliche Karriere gelegt. Dabei kam selbstverständlich auch die schulische Ausbildung nicht zu kurz. Diese Kombination war ja für das Erziehungsverständnis in der DDR typisch, wobei der Fußball eindeutig im Zentrum aller Maßnahmen stand.

Eins der unvergesslichen Erlebnisse meiner Kindheit war ein 4:0-Sieg von Carl-Zeiss im Uefa-Cup-Rückspiel vor eigener Kulisse gegen die international renommierte Elf von AS Rom. Ein tolles Match.

Zur Zeit der Wende in Deutschland war ich in dem Alter, den Sprung ins Männer-Team schaffen zu können. Die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse eröffneten nun tolle Perspektiven für meine Möglichkeiten einer Profikarriere. Ich hatte damals ein Angebot des HSV, habe mich aber mit Zustimmung meiner Eltern entschlossen, für Carl Zeiss in der 2. Liga zu spielen. Das war - rückblickend - durchaus o.k.. Erstens musste ich nicht von heute auf morgen die gewohnte Umgebung im Elternhaus verlassen. Zweitens war die 2. Liga genau die richtige harte Schule, in der man sich wehren und durchsetzen musste, um nicht untergebuttert zu werden. Weil sich meine Fähigkeiten in der Branche bald rumgesprochen hatten, versuchten die gegnerischen Mannschaften meistens, mich um jeden Preis zuzustellen. Da hieß es, mit aller Energie gegenzuhalten und sich nicht vom eigenen Spiel ablenken zu lassen. Später wollte mich Schalkes Manager Rudi Assauer zum Uefa-Cup-Sieger nach Gelsenkirchen holen. Das war schon eine erstklassige Adresse. Der Wechsel scheiterte aber letztlich an der Höhe der geforderten Ablösesumme.

Zum FC Carl Zeiss und zur Stadt Jena pflege ich bis heute eine herzliche Verbundenheit. Ich empfand den Umgang und die Behandlung in meinem Klub immer äußerst positiv und sehr angenehm.

nach oben

Kontakt/Impressum

N55 N8 N7 N6 N4 N3 N2 N1