item7a
BS196

Es fehlte diesmal ein Stück weit auch das Spielglück

item1a1a
item1a

nach oben

Mein Fazit nach fast 95 Minuten fesselndem Bundesliga-Fußball vorab: Unsere Jungs hätten bei Berücksichtigung sämtlicher Chancen und Spielanteile in beiden Halbzeiten unterm Strich durchaus ein Remis verdient gehabt. Aber auf den elektronischen Anzeigentafeln in der BayArena leuchtete für Bayer 04 eine 1 und für Werder Bremen eine 3. Die grün-weißen Gäste-Fans jubelten, sie hatten drei wichtige Punkte im Rückreisegepäck. Unsere Anhänger gaben sich derweil alle Mühe, ihre Enttäuschung über das Ergebnis zu verbergen. Allesamt hatten sie ein von beiden Parteien offensiv geführtes und entsprechend rasantes Match und beste Sonntagmittag-Unterhaltung erlebt.

Die Bremer hatten bis zur Pause absolut die Effektivität auf ihrer Seite. Gradlinig, mit einer gehörigen Portion  Wucht, mit Mut und Pass-Sicherheit stellten sie die Leverkusener Abwehr immer wieder vor Probleme. Als Schiedsrichter Aytekin den ersten Durchgang abpfiff, hieß es 0:2.

Dieses Zwischenresultat spricht eigentlich für klare Verhältnisse. Aber ich habe das nicht so gesehen. Wir hatten bis dahin ebenfalls unsere Möglichkeiten. Zwei davon würde ich sogar als Top-Chancen bezeichnen. Es fehlte allerdings bei uns die Entschlossenheit und Zielstrebigkeit, vielleicht auch der kühle Kopf vor dem gegnerischen Tor.

Nach Wiederbeginn entwickelte sich ein anderes Spiel. Jetzt dominierten unsere Leute das Geschehen. Jetzt machten sie beim Anrennen auf ihre Nordkurve pausenlos Druck, schnürten mit begeisternden Ball-Staffeten einen Gegner ein, der nun phasenweise seiner aufwendigen Spielweise Tribut zollen musste. Jetzt spielte Bayer plötzlich Bayer-like.

Mit dafür verantwortlich war nicht zuletzt die Einwechslung des in der erste Hälfte wegen Magenbeschwerden pausierenden Kai Havertz. Es zeigte sich schnell, dass dieser Spieler dem Team selbst dann Sicherheit und Selbstvertrauen verleiht, wenn er physisch nicht bei hundert Prozent ist. Vor allem auf seinen Kumpel Julian Brandt wirkte der Zugang von der Bank belebend. Vor Werder-Torwart Pavlenka spielten sich teils tumultartige Szenen ab. Doch für die Werkself reichte es lediglich zum Anschlusstreffer durch Bailey. Die Kontrahenten von der Weser verteidigten ihren Vorsprung cool mit Glück und Geschick. Unseren Jungs fehlte dagegen diesmal auch ein Stück weit das Spielglück.

Auf keinen Fall darf an dieser Stele der Hinweis fehlen, dass Bremen das Match nicht zuletzt dank seines überragenden Kapitäns für sich entscheiden konnte. Max Kruse war nicht nur wegen seiner beiden Treffer unübersehbar der Unterschiedsspieler auf dem Rasen. Technisch perfekt, mit unglaublicher Übersicht, abgezockt, lieferte Kruse eine herausragende Partie ab.

18. März 2019

BS105

Fragebogen

1. Meine unvergesslichsten Spiele

Bernd: a. Das Aufstiegsspiel mit Carl Zeiss Jena in die 2. Liga, das wir mit 4:1 gegen Sachsen Leipzig gewannen. b. Das 5:1 mit Eintracht Frankfurt im Heimspiel am letzten Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern - wir blieben in der Bundesliga, ich schoß das Tor zum 4:1. c. In der Champions League spielten wir 2002 im Halbfinal-Hinspiel mit Bayer 04 Leverkusen 2:2 bei Manchester United. d. Das Eröffnungsspiel der WM 2006 in München gegen Costa Rica - ich war Kapitän.

2. Meine besten Spiele

Bernd: a. Das Champions League-Finale 2002 gegen Real Madrid (1:2). b. Das WM-Finale 2002 in Yokohama gegen Brasilien (0:2).

3. Mein schwächstes Spiel

Bernd: Bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal gegen Lettland.

4. Meine wichtigsten Spiele

Bernd: a. Das Rückspiel im Halbfinale der Champions League 2002 in unserer BayArena endete 1:1 - wir zogen ins Finale ein. b. Das WM-Finale Deutschland gegen Brasilien.

5. Meine dramatischsten Spiele

Bernd: a. Wir gewannen das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League 2002 zuhause mit 4:2 gegen den FC Liverpool und erreichten das Halbfinale gegen Manchester United. b. Das Viertelfinale bei der WM 2006 in Berlin gegen Argentinien - wir gewannen das Elfmeterschießen und kamen ins Halbfinale gegen Italien.

6. Meine traurigsten Spiele

Bernd: a. Das erste Spiel nach dem Tod meines Teamkollegen Axel Jüpner verloren wir mit Jena gegen Unterhaching mit 2:3 und waren damit praktisch abgestiegen. b. Das Champions League-Finale gegen Real Madrid. c. Das Halbfinale bei der WM 2006 in Dortmund gegen Italien (0:2).

7. Mein Lieblingsgegenspieler (Fairness)

Bernd: Roberto Carlos mit Real Madrid und der brasilianischen Nationalmannschaft.

8. Meine unangenehmsten Gegenspieler

Bernd: a. Andre Wiedener (Werder Bremen) und Jan Arge Riise (Liverpool).

9. Meine Traummitspieler

Bernd: a. in meiner realen Karriere: Ballack, Ze Roberto, Emerson. b. wenn ich ihn mir hätte aussuchen können: Fabregas, Zidane, Maradona.

10. Der schönste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Die Einwechslung nach meiner einjährigen Verletzung beim Spiel Bayer 04 gegen Mönchengladbach - ich konnte ein Tor vorbereiten. Gleichzeitig war es auch mein letztes Bundesligaspiel.

11. Der unangenehmste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Das Spiel bei der EM-Endrunde gegen Tschechien - ich vergab eine riesen Tormöglichkeit.

12. Die traurigsten Momente meines Fußball-Lebens

Bernd:a. Der Tod meiner Teamkollegen Axel Jüpner und Robert Enke. b. Verpaßte Meisterschaften und verlorene Endspiele. c. Halbfinal-Niederlage bei der WM 2006 gegen Italien.

13. Meine schönsten Tore

Bernd: a. Die Tore gegen Blackburn, Dortmund und Fenerbahce Istanbul - alle drei wurden zum Tor des Monats gewählt. b. Ein Tor beim 2:2 von Carl Zeiss Jena gegen Eintracht Frankfurt. c. Mein erstes Tor im Profi-Fußball: Ein Freistoßtor beim 2:0-Sieg von Jena beim 1. FC Nürnberg.

14. Meine Lieblingsstadien

Bernd: Ernst Abbe Sportfeld in Jena, BayArena sowie die Stadien in Liverpool und Manchester.

15. Meine interessanteste Fußball-Reise

Bernd: Das Länderspiel mit der deutschen Nationalmannschaft in Teheran vor 110 000 Zuschauern.

16. Mein angenehmster Zimmer-Nachbar

Bernd: Oliver Neuville - mein alter Kumpel.

17. Meine Traumelf

Bernd: Mit denen ich zusammen gespielt habe: Kahn/Adler - Frings, Nowotny, Juan, Placente, Neuville, Ballack, Emerson, Ze Roberto, Kirsten, Berbatov.

Kontakt/Impressum

Zitate von und über Schnix

Ich hätte mich beim Pokalfinale gegen Werder Bremen selbst einwechseln sollen. (Schnix auf die Frage, ob er in seiner Karriere etwas bereue. Bayer verlor 0:1 und Trainer Labbadia verzichtete auf seine Einwechslung)

Wahrscheinlich auf irgendeinem Hinterhof mit Wäschestangen. (Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler auf die Frage, wo Bernd wohl das Fußballspielen gelernt habe)

Bernd ist vielleicht der letzte übrig gebliebene Straßenfußballer. Es gibt nicht viele Spieler, die ihm das Wasser reichen können. (Rudi Völler)

Der alles entscheidende Freistoß-Treffer zum 8:0 bei unseren ersten Match der WM 2002 gegen die Saudis. (Bernd auf die Frage nach seinem ersten Länderspiel-Tor)

Es war so eine Mittelschussflanke. (Bernd über seine Torvorbereitung beim Comeback gegen Gladbach)

Hauptsache nicht wieder Zweiter. (Bernd zu seinem dritten Rang bei der Wahl zum Fußballer des Jahres 2007)

„Schnix“ ist der einzige deutsche Fußballer, der sofort in der Selecao mitspielen könnte. (Der brasilianische Nationalspieler Juan bei seinem Abschied von Bayer 04)

Ein Typ wie er fehlt Real zurzeit, jemand mit diesen technischen Qualitäten, der den tödlichen Pass zu spielen und eine Partie zu lesen vermag. (Bernd Schuster vor Bernd Schneiders nicht zustande gekommenen Wechsel zu Real Madrid)

Die tollste Nachricht kommt aus Leverkusen: Seine Hoheit Senor Bernd Schneider do Brasil, der Chef Executive der Bayer-Mittelfeld-Group, ist wieder da. 253 Tage nach seiner Halswirbeloperation steht der 35-Jährige wieder im Mannschaftstraining. (Christof Kneer am 4. Januar 2009 in der Süddeutschen Zeitung)

Ganz klar der Bernd. Ein wunderbarer Spieler. Schade, dass er seine Karriere beenden musste. (Renato Augusto, Bayer 04 Leverkusen, auf die Frage, wer der bessere Brasilianer ist: Er oder Bernd Schneider)

N44 N8 N7 N6 N5 N3 N2 N1