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Junges Bayer-Team kann aus solchen Spielen lernen

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Ich geb's ja zu, ich hatte die Bayer-Vereinsbrille vor den Augen, als ich am Dienstagabend die BayArena betrat. Ich will sogar eine Spur von Euphorie nicht verleugnen. Jedenfalls hatte ich auf ein Ergebnis getippt, das unserer Mannschaft eine ordentliche Chance fürs Rückspiel lassen würde. Nicht unwesentlich dazu beigetragen hatte meine Erinnerung an die zwei Champions League-Partien vor zwei Jahren gegen Atletico Madrid, die ja damals denkbar knapp verliefen.

Nach den aktuellen 90 Achtelfinal-Minuten, die vor allem dem neutralen Fußballfreund jederzeit rasanten, intensiven und schönen Sport boten, halte ich fest, dass die Werkself, unterm Strich verdient, 2:4 verloren hat und ihr nach diesem Resultat jetzt nur noch eine winzige, allenfalls theoretische Chance bleibt, die Runde der letzten Acht zu erreichen. Die Madrilenen haben eine Klasseleistung auf den Rasen gebracht. Was die Spanier gerade im ersten Durchgang gezeigt haben, hat mich total beeindruckt. Das war internationaler Spitzenfußball der Gäste, geprägt von taktischer Finesse und Disziplin, von spielerischer Kreativität und highspeed-Präzision. Dazu dieses Verständnis der Jungs untereinander. So haben sie nach zwei Finalteilnahmen in den vergangenen drei Jahren erneut gute Möglichkeiten, weit zu kommen.

Als Spieler in einer jungen Bayer-Mannschaft kann man aus einem solchen Match allerhand lernen, was einem auf dem weiteren Karriere-Weg durchaus helfen kann. Die Spanier haben es deutlich vorgemacht, dass auch ein Team mit solchem internationalen Stellenwert nicht ohne die taktische Hingabe und die kämpferische Leistungsbereitschaft jedes einzelnen Akteurs auskommt. In diesem Ensemble hochbegabter Solisten arbeiten alle Beteiligten von der ersten bis zur letzten Sekunde im Sinne des Kollektivs. Angefangen vom Trainer, der sein Engagement an der Außenlinie aus- und vorlebt. Dazu wurde unseren Jungs schmerzhaft vor Augen geführt, dass sie sich auf solchem Niveau nicht den geringsten Aussetzer, nicht einmal den kleinsten Fehler erlauben dürfen. Gegner vom Schlage der Madrilenen fahren Konter von derart atemberaubender Schnelligkeit, dass dir Hören und Sehen vergeht. Sie bestrafen eiskalt jede Unachtsamkeit.

Aus Bayer-Sicht will ich nicht verschweigen, dass es für unsere Jungs spricht, wie sie nach der Pause angesichts eines schmerzlichen 0:2-Rückstands zügig ins Spiel zurückgefunden haben. Ärgerlich, dass es nach dem Anschlusstreffer zum Elfmeter kommt. Selbst dieser Rückschlag hat sie ja nicht aus den Schuhen geworfen. Im Gegenteil. Sie sind Risiko gegangen und haben Druck gemacht, konnten sich aber nicht belohnen. Schade, dass sie nicht wenigstens mit einem Remis vom Platz gehen konnten.

Ich möchte noch unbedingt eine Bemerkung loswerden. Unsere Fans haben unsere BayArena in einen Hexenkessel verwandelt, wie ich das so lange nicht mehr erlebt habe. Sie haben die Mannschaft bis zum Abpfiff bedingungslos unterstützt. Sie haben beispielsweise den jungen Kai Havertz, der zuletzt medial ungeheuer gefeiert wurde und dem verständlicherweise diesmal nicht so viel gelang, mit anerkennendem Beifall verabschiedet. Das hat mir sehr gefallen. Hut ab vor unserem Publikum!

22. Februar 2017

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Fragebogen

1. Meine unvergesslichsten Spiele

Bernd: a. Das Aufstiegsspiel mit Carl Zeiss Jena in die 2. Liga, das wir mit 4:1 gegen Sachsen Leipzig gewannen. b. Das 5:1 mit Eintracht Frankfurt im Heimspiel am letzten Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern - wir blieben in der Bundesliga, ich schoß das Tor zum 4:1. c. In der Champions League spielten wir 2002 im Halbfinal-Hinspiel mit Bayer 04 Leverkusen 2:2 bei Manchester United. d. Das Eröffnungsspiel der WM 2006 in München gegen Costa Rica - ich war Kapitän.

2. Meine besten Spiele

Bernd: a. Das Champions League-Finale 2002 gegen Real Madrid (1:2). b. Das WM-Finale 2002 in Yokohama gegen Brasilien (0:2).

3. Mein schwächstes Spiel

Bernd: Bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal gegen Lettland.

4. Meine wichtigsten Spiele

Bernd: a. Das Rückspiel im Halbfinale der Champions League 2002 in unserer BayArena endete 1:1 - wir zogen ins Finale ein. b. Das WM-Finale Deutschland gegen Brasilien.

5. Meine dramatischsten Spiele

Bernd: a. Wir gewannen das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League 2002 zuhause mit 4:2 gegen den FC Liverpool und erreichten das Halbfinale gegen Manchester United. b. Das Viertelfinale bei der WM 2006 in Berlin gegen Argentinien - wir gewannen das Elfmeterschießen und kamen ins Halbfinale gegen Italien.

6. Meine traurigsten Spiele

Bernd: a. Das erste Spiel nach dem Tod meines Teamkollegen Axel Jüpner verloren wir mit Jena gegen Unterhaching mit 2:3 und waren damit praktisch abgestiegen. b. Das Champions League-Finale gegen Real Madrid. c. Das Halbfinale bei der WM 2006 in Dortmund gegen Italien (0:2).

7. Mein Lieblingsgegenspieler (Fairness)

Bernd: Roberto Carlos mit Real Madrid und der brasilianischen Nationalmannschaft.

8. Meine unangenehmsten Gegenspieler

Bernd: a. Andre Wiedener (Werder Bremen) und Jan Arge Riise (Liverpool).

9. Meine Traummitspieler

Bernd: a. in meiner realen Karriere: Ballack, Ze Roberto, Emerson. b. wenn ich ihn mir hätte aussuchen können: Fabregas, Zidane, Maradona.

10. Der schönste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Die Einwechslung nach meiner einjährigen Verletzung beim Spiel Bayer 04 gegen Mönchengladbach - ich konnte ein Tor vorbereiten. Gleichzeitig war es auch mein letztes Bundesligaspiel.

11. Der unangenehmste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Das Spiel bei der EM-Endrunde gegen Tschechien - ich vergab eine riesen Tormöglichkeit.

12. Die traurigsten Momente meines Fußball-Lebens

Bernd:a. Der Tod meiner Teamkollegen Axel Jüpner und Robert Enke. b. Verpaßte Meisterschaften und verlorene Endspiele. c. Halbfinal-Niederlage bei der WM 2006 gegen Italien.

13. Meine schönsten Tore

Bernd: a. Die Tore gegen Blackburn, Dortmund und Fenerbahce Istanbul - alle drei wurden zum Tor des Monats gewählt. b. Ein Tor beim 2:2 von Carl Zeiss Jena gegen Eintracht Frankfurt. c. Mein erstes Tor im Profi-Fußball: Ein Freistoßtor beim 2:0-Sieg von Jena beim 1. FC Nürnberg.

14. Meine Lieblingsstadien

Bernd: Ernst Abbe Sportfeld in Jena, BayArena sowie die Stadien in Liverpool und Manchester.

15. Meine interessanteste Fußball-Reise

Bernd: Das Länderspiel mit der deutschen Nationalmannschaft in Teheran vor 110 000 Zuschauern.

16. Mein angenehmster Zimmer-Nachbar

Bernd: Oliver Neuville - mein alter Kumpel.

17. Meine Traumelf

Bernd: Mit denen ich zusammen gespielt habe: Kahn/Adler - Frings, Nowotny, Juan, Placente, Neuville, Ballack, Emerson, Ze Roberto, Kirsten, Berbatov.

Kontakt/Impressum

Zitate von und über Schnix

Ich hätte mich beim Pokalfinale gegen Werder Bremen selbst einwechseln sollen. (Schnix auf die Frage, ob er in seiner Karriere etwas bereue. Bayer verlor 0:1 und Trainer Labbadia verzichtete auf seine Einwechslung)

Wahrscheinlich auf irgendeinem Hinterhof mit Wäschestangen. (Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler auf die Frage, wo Bernd wohl das Fußballspielen gelernt habe)

Bernd ist vielleicht der letzte übrig gebliebene Straßenfußballer. Es gibt nicht viele Spieler, die ihm das Wasser reichen können. (Rudi Völler)

Der alles entscheidende Freistoß-Treffer zum 8:0 bei unseren ersten Match der WM 2002 gegen die Saudis. (Bernd auf die Frage nach seinem ersten Länderspiel-Tor)

Es war so eine Mittelschussflanke. (Bernd über seine Torvorbereitung beim Comeback gegen Gladbach)

Hauptsache nicht wieder Zweiter. (Bernd zu seinem dritten Rang bei der Wahl zum Fußballer des Jahres 2007)

„Schnix“ ist der einzige deutsche Fußballer, der sofort in der Selecao mitspielen könnte. (Der brasilianische Nationalspieler Juan bei seinem Abschied von Bayer 04)

Ein Typ wie er fehlt Real zurzeit, jemand mit diesen technischen Qualitäten, der den tödlichen Pass zu spielen und eine Partie zu lesen vermag. (Bernd Schuster vor Bernd Schneiders nicht zustande gekommenen Wechsel zu Real Madrid)

Die tollste Nachricht kommt aus Leverkusen: Seine Hoheit Senor Bernd Schneider do Brasil, der Chef Executive der Bayer-Mittelfeld-Group, ist wieder da. 253 Tage nach seiner Halswirbeloperation steht der 35-Jährige wieder im Mannschaftstraining. (Christof Kneer am 4. Januar 2009 in der Süddeutschen Zeitung)

Ganz klar der Bernd. Ein wunderbarer Spieler. Schade, dass er seine Karriere beenden musste. (Renato Augusto, Bayer 04 Leverkusen, auf die Frage, wer der bessere Brasilianer ist: Er oder Bernd Schneider)

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