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Die Verunsicherung ist fast mit den Händen greifbar

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Bekanntlich neige ich stets dazu, das Glas im Zweifelsfall eher halbvoll als halbleer zu sehen. Deshalb mein Fazit nach dem 2:2 gegen Hannover 96: Gemessen am Spielverlauf und an den Spielanteilen war Karim Bellarabis  Ausgleichstor praktisch in letzter Sekunde schmeichelhaft, aber ich sehe es gleichzeitig auch als Beleg für die Moral unserer Mannschaft, die sich nicht aufgegeben hat. Dieser Treffer kann sich durchaus noch als wertvoll erweisen.

Die Werkself hatte gleich zum Auftakt deutliche Vorteile zu verzeichnen. Ging ja auch eigentlich gut los. Schon nach fünf Minuten ein Elfmeter wegen Handspiels, das sah doch nicht so schleht aus. Ärgerlich nur, dass diese Chance so vertan wurde. Wendell machte es dem gegnerischen Torwart Esser nicht schwer. Sowas kann passieren, das gehört im Fußball dazu. Aber es war ja nicht das erste Mal. Ich denke, er wird das jetzt fürs erste mal lassen.

Ich hab' den Jungs angemerkt, dass sie nach diesem frühen Rückschlag schlucken mussten. Plötzlich war die Lockerheit weg, plötzlich blieb die Leichtigkeit auf der Strecke. Jetzt wollte nichts mehr so klappen, wie man es im Training geübt hatte. Stattdessen schlich sich eine höchst gefährliche Verkrampfung ein. Im gleichen Maß gewannen die Gäste aus Niedersachsen an Sicherheit und Lust am Konterspiel.

Unsere Leute brauchten einige Zeit, um wieder in Schwung zu kommen und Fluss in ihre Aktionen zu bringen. Bis zum 16er lief's dann auch mehrfach recht ordentlich, aber im Strafraum ließ man zum wiederholten Mal die Konsequenz vermissen. So ergaben sich kaum brauchbare Tormöglichkeiten. Einige wenige wurden vergeben.

Die Mannschaft befindet sich derzeit in einer schwierigen Situation. Die Verunsicherung ist fast mit Händen greifbar. Ich schließe mich der Meinung von unserem Kapitän Lars Bender an, der empfahl, sich nun mal die Ansprüche und Träume von der Champions League abzuschminken. Jedenfalls aktuell. Es kann für die Jungs im Moment wirklich nur darum gehen, die unteren Tabellenregionen zu verlassen. Und zwar mit allen Mitteln und unter allen Umständen. Dazu gehört nicht zuletzt die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Gehäuse. Man muss das Ding, koste es, was es wolle, im Netz des Gergners unterbringen. Notfalls mit dem Knie, der Brust, oder einem anderen Körperteil. Hauptsache es zählt. Ein Schönheitspreis ist in der jetzigen Lage überflüssig.

Das Motto dieser Wochen, das auch für die komende Aufgabe in der Euro-League (in Zürich) gilt, kann nur lauten, die Sicherheit zurückzugewinnen, die es den Jungs erlaubt, ihren Fußball zu spielen. Das Risiko, auch mal einen Fehler machen zu dürfen, eingeschlossen. Nur so finden sie zurück zum Erfolg, auf den wir alle so sehr hoffen.

22. Oktober 2018

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Fragebogen

1. Meine unvergesslichsten Spiele

Bernd: a. Das Aufstiegsspiel mit Carl Zeiss Jena in die 2. Liga, das wir mit 4:1 gegen Sachsen Leipzig gewannen. b. Das 5:1 mit Eintracht Frankfurt im Heimspiel am letzten Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern - wir blieben in der Bundesliga, ich schoß das Tor zum 4:1. c. In der Champions League spielten wir 2002 im Halbfinal-Hinspiel mit Bayer 04 Leverkusen 2:2 bei Manchester United. d. Das Eröffnungsspiel der WM 2006 in München gegen Costa Rica - ich war Kapitän.

2. Meine besten Spiele

Bernd: a. Das Champions League-Finale 2002 gegen Real Madrid (1:2). b. Das WM-Finale 2002 in Yokohama gegen Brasilien (0:2).

3. Mein schwächstes Spiel

Bernd: Bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal gegen Lettland.

4. Meine wichtigsten Spiele

Bernd: a. Das Rückspiel im Halbfinale der Champions League 2002 in unserer BayArena endete 1:1 - wir zogen ins Finale ein. b. Das WM-Finale Deutschland gegen Brasilien.

5. Meine dramatischsten Spiele

Bernd: a. Wir gewannen das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League 2002 zuhause mit 4:2 gegen den FC Liverpool und erreichten das Halbfinale gegen Manchester United. b. Das Viertelfinale bei der WM 2006 in Berlin gegen Argentinien - wir gewannen das Elfmeterschießen und kamen ins Halbfinale gegen Italien.

6. Meine traurigsten Spiele

Bernd: a. Das erste Spiel nach dem Tod meines Teamkollegen Axel Jüpner verloren wir mit Jena gegen Unterhaching mit 2:3 und waren damit praktisch abgestiegen. b. Das Champions League-Finale gegen Real Madrid. c. Das Halbfinale bei der WM 2006 in Dortmund gegen Italien (0:2).

7. Mein Lieblingsgegenspieler (Fairness)

Bernd: Roberto Carlos mit Real Madrid und der brasilianischen Nationalmannschaft.

8. Meine unangenehmsten Gegenspieler

Bernd: a. Andre Wiedener (Werder Bremen) und Jan Arge Riise (Liverpool).

9. Meine Traummitspieler

Bernd: a. in meiner realen Karriere: Ballack, Ze Roberto, Emerson. b. wenn ich ihn mir hätte aussuchen können: Fabregas, Zidane, Maradona.

10. Der schönste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Die Einwechslung nach meiner einjährigen Verletzung beim Spiel Bayer 04 gegen Mönchengladbach - ich konnte ein Tor vorbereiten. Gleichzeitig war es auch mein letztes Bundesligaspiel.

11. Der unangenehmste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Das Spiel bei der EM-Endrunde gegen Tschechien - ich vergab eine riesen Tormöglichkeit.

12. Die traurigsten Momente meines Fußball-Lebens

Bernd:a. Der Tod meiner Teamkollegen Axel Jüpner und Robert Enke. b. Verpaßte Meisterschaften und verlorene Endspiele. c. Halbfinal-Niederlage bei der WM 2006 gegen Italien.

13. Meine schönsten Tore

Bernd: a. Die Tore gegen Blackburn, Dortmund und Fenerbahce Istanbul - alle drei wurden zum Tor des Monats gewählt. b. Ein Tor beim 2:2 von Carl Zeiss Jena gegen Eintracht Frankfurt. c. Mein erstes Tor im Profi-Fußball: Ein Freistoßtor beim 2:0-Sieg von Jena beim 1. FC Nürnberg.

14. Meine Lieblingsstadien

Bernd: Ernst Abbe Sportfeld in Jena, BayArena sowie die Stadien in Liverpool und Manchester.

15. Meine interessanteste Fußball-Reise

Bernd: Das Länderspiel mit der deutschen Nationalmannschaft in Teheran vor 110 000 Zuschauern.

16. Mein angenehmster Zimmer-Nachbar

Bernd: Oliver Neuville - mein alter Kumpel.

17. Meine Traumelf

Bernd: Mit denen ich zusammen gespielt habe: Kahn/Adler - Frings, Nowotny, Juan, Placente, Neuville, Ballack, Emerson, Ze Roberto, Kirsten, Berbatov.

Kontakt/Impressum

Zitate von und über Schnix

Ich hätte mich beim Pokalfinale gegen Werder Bremen selbst einwechseln sollen. (Schnix auf die Frage, ob er in seiner Karriere etwas bereue. Bayer verlor 0:1 und Trainer Labbadia verzichtete auf seine Einwechslung)

Wahrscheinlich auf irgendeinem Hinterhof mit Wäschestangen. (Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler auf die Frage, wo Bernd wohl das Fußballspielen gelernt habe)

Bernd ist vielleicht der letzte übrig gebliebene Straßenfußballer. Es gibt nicht viele Spieler, die ihm das Wasser reichen können. (Rudi Völler)

Der alles entscheidende Freistoß-Treffer zum 8:0 bei unseren ersten Match der WM 2002 gegen die Saudis. (Bernd auf die Frage nach seinem ersten Länderspiel-Tor)

Es war so eine Mittelschussflanke. (Bernd über seine Torvorbereitung beim Comeback gegen Gladbach)

Hauptsache nicht wieder Zweiter. (Bernd zu seinem dritten Rang bei der Wahl zum Fußballer des Jahres 2007)

„Schnix“ ist der einzige deutsche Fußballer, der sofort in der Selecao mitspielen könnte. (Der brasilianische Nationalspieler Juan bei seinem Abschied von Bayer 04)

Ein Typ wie er fehlt Real zurzeit, jemand mit diesen technischen Qualitäten, der den tödlichen Pass zu spielen und eine Partie zu lesen vermag. (Bernd Schuster vor Bernd Schneiders nicht zustande gekommenen Wechsel zu Real Madrid)

Die tollste Nachricht kommt aus Leverkusen: Seine Hoheit Senor Bernd Schneider do Brasil, der Chef Executive der Bayer-Mittelfeld-Group, ist wieder da. 253 Tage nach seiner Halswirbeloperation steht der 35-Jährige wieder im Mannschaftstraining. (Christof Kneer am 4. Januar 2009 in der Süddeutschen Zeitung)

Ganz klar der Bernd. Ein wunderbarer Spieler. Schade, dass er seine Karriere beenden musste. (Renato Augusto, Bayer 04 Leverkusen, auf die Frage, wer der bessere Brasilianer ist: Er oder Bernd Schneider)

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