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Rein sportlich betrachtet: Das Ausscheiden ist verdient

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Man stellt sich ja bekanntlich zuweilen mal Ereignisse vor, die man eigentlich für Unvorstellbar hält. Ich tat noch nicht einmal das in meinen so kühnsten Träumen, weil es für mich nicht ein Prozent Wahrscheinlichkeit gab, dass die deutsche Mannschaft bei der WM in Russland etwa die Vorrunde nicht überstehen würde. Nun ist es aber Fakt: Auf weltöffentlicher Fußball-Bühne erlebten wir durch das 0:2 gegen Südkorea ein sportliches Drama, was es zuvor in der WM-Geschichte des DFB noch nie gegeben hatte. Deutschland, der Weltmeister von 2014, muss vorzeitig die Heimreise antreten.

Sportlich betrachtet, muss man nüchtern feststellen: Verdient ausgeschieden. In allen drei Spielen hat die Mannschaft eigentlich nie gezeigt, was wir von ihr gewohnt waren und wozu sie eigentlich imstande ist. Erste Bedenken kamen mir schon nach dem 0:1 gegen Mexiko. Ich bin mir sehr sicher, dass unsere Gegner unsere Spielweise längst gescannt und entschlüsselt haben. Vielleicht sollten wir es künftig mit einer anderen Spielphilosophie probieren. Weg vom ständigen Ballbesitz mit kurzen Pässen in den eigenen Reihen hin zu verstärkter Defensive mit schnellem Umschaltspiel.

In jedem Scheitern steckt ja bekanntlich auch die Herausforderung, Dinge zu ändern. Ich gehe ganz stark davon aus, dass die Trainer, die Verbandsspitze und natürlich auch die Spieler in den nächsten Tagen eine tiefgreifende Analyse betreiben und - wie man so schön sagt - jeden Stein umdrehen werden. Wie sich die Spieler direkt nach dem Ausscheiden verhalten haben, das hat mir schon sehr imponiert. Sie waren selbstkritisch, sie sind dem siegreichen Team mit grossem Respekt begegnet. Das ist ganz klar ein Zeichen von Charakterstärke - so wie sie es iauch m Erfolgsfall 2014 nach dem 7:1 gegen Brasilien taten. Sportlicher Anstand zählt eben mehr als Sieg oder Niederlage.

Machen wir uns nichts vor, sicherlich haben wir uns alle in den vergangenen Jahren blenden lassen. Da stimme ich Mats Hummels zu: Ein richtig gutes Spiel des Nationalteams liegt schon lange zurück. Jetzt aber die verbale Keule rauszuholen, halte ich dennoch für falsch. Jeder könnte jetztschnell 50 Beispiele nennen (etwa falscher Kader, zu viele Weltmeister, zu wenig Confedcupsieger auf dem Platz, falsches Hotel) - alles richtig. Doch es gibt nicht nur das einzig richtige Argument, das zur Erklärung dient. Es ist die Summe aus alledem. Und das muss aufgearbeitet werden.

Und wir Fans sollten nicht vergessen: Vor vier Jahren sind wir rund 80 Millionen Deutsche Weltmeister geworden - ohne unser Zutun. Jetzt sind wir alle zusammen ausgeschieden - auch ohne unser Zutun. Deshalb sollten wir auch weiterhin eins sein. Ich jedenfalls werde die WM weiter im Nationaltrikot verfolgen - auch wenn die nationalen Gefühle weg und wir traurig sind.

30. Juni 2018

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Fragebogen

1. Meine unvergesslichsten Spiele

Bernd: a. Das Aufstiegsspiel mit Carl Zeiss Jena in die 2. Liga, das wir mit 4:1 gegen Sachsen Leipzig gewannen. b. Das 5:1 mit Eintracht Frankfurt im Heimspiel am letzten Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern - wir blieben in der Bundesliga, ich schoß das Tor zum 4:1. c. In der Champions League spielten wir 2002 im Halbfinal-Hinspiel mit Bayer 04 Leverkusen 2:2 bei Manchester United. d. Das Eröffnungsspiel der WM 2006 in München gegen Costa Rica - ich war Kapitän.

2. Meine besten Spiele

Bernd: a. Das Champions League-Finale 2002 gegen Real Madrid (1:2). b. Das WM-Finale 2002 in Yokohama gegen Brasilien (0:2).

3. Mein schwächstes Spiel

Bernd: Bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal gegen Lettland.

4. Meine wichtigsten Spiele

Bernd: a. Das Rückspiel im Halbfinale der Champions League 2002 in unserer BayArena endete 1:1 - wir zogen ins Finale ein. b. Das WM-Finale Deutschland gegen Brasilien.

5. Meine dramatischsten Spiele

Bernd: a. Wir gewannen das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League 2002 zuhause mit 4:2 gegen den FC Liverpool und erreichten das Halbfinale gegen Manchester United. b. Das Viertelfinale bei der WM 2006 in Berlin gegen Argentinien - wir gewannen das Elfmeterschießen und kamen ins Halbfinale gegen Italien.

6. Meine traurigsten Spiele

Bernd: a. Das erste Spiel nach dem Tod meines Teamkollegen Axel Jüpner verloren wir mit Jena gegen Unterhaching mit 2:3 und waren damit praktisch abgestiegen. b. Das Champions League-Finale gegen Real Madrid. c. Das Halbfinale bei der WM 2006 in Dortmund gegen Italien (0:2).

7. Mein Lieblingsgegenspieler (Fairness)

Bernd: Roberto Carlos mit Real Madrid und der brasilianischen Nationalmannschaft.

8. Meine unangenehmsten Gegenspieler

Bernd: a. Andre Wiedener (Werder Bremen) und Jan Arge Riise (Liverpool).

9. Meine Traummitspieler

Bernd: a. in meiner realen Karriere: Ballack, Ze Roberto, Emerson. b. wenn ich ihn mir hätte aussuchen können: Fabregas, Zidane, Maradona.

10. Der schönste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Die Einwechslung nach meiner einjährigen Verletzung beim Spiel Bayer 04 gegen Mönchengladbach - ich konnte ein Tor vorbereiten. Gleichzeitig war es auch mein letztes Bundesligaspiel.

11. Der unangenehmste Moment meines Fußball-Lebens

Bernd: Das Spiel bei der EM-Endrunde gegen Tschechien - ich vergab eine riesen Tormöglichkeit.

12. Die traurigsten Momente meines Fußball-Lebens

Bernd:a. Der Tod meiner Teamkollegen Axel Jüpner und Robert Enke. b. Verpaßte Meisterschaften und verlorene Endspiele. c. Halbfinal-Niederlage bei der WM 2006 gegen Italien.

13. Meine schönsten Tore

Bernd: a. Die Tore gegen Blackburn, Dortmund und Fenerbahce Istanbul - alle drei wurden zum Tor des Monats gewählt. b. Ein Tor beim 2:2 von Carl Zeiss Jena gegen Eintracht Frankfurt. c. Mein erstes Tor im Profi-Fußball: Ein Freistoßtor beim 2:0-Sieg von Jena beim 1. FC Nürnberg.

14. Meine Lieblingsstadien

Bernd: Ernst Abbe Sportfeld in Jena, BayArena sowie die Stadien in Liverpool und Manchester.

15. Meine interessanteste Fußball-Reise

Bernd: Das Länderspiel mit der deutschen Nationalmannschaft in Teheran vor 110 000 Zuschauern.

16. Mein angenehmster Zimmer-Nachbar

Bernd: Oliver Neuville - mein alter Kumpel.

17. Meine Traumelf

Bernd: Mit denen ich zusammen gespielt habe: Kahn/Adler - Frings, Nowotny, Juan, Placente, Neuville, Ballack, Emerson, Ze Roberto, Kirsten, Berbatov.

Kontakt/Impressum

Zitate von und über Schnix

Ich hätte mich beim Pokalfinale gegen Werder Bremen selbst einwechseln sollen. (Schnix auf die Frage, ob er in seiner Karriere etwas bereue. Bayer verlor 0:1 und Trainer Labbadia verzichtete auf seine Einwechslung)

Wahrscheinlich auf irgendeinem Hinterhof mit Wäschestangen. (Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler auf die Frage, wo Bernd wohl das Fußballspielen gelernt habe)

Bernd ist vielleicht der letzte übrig gebliebene Straßenfußballer. Es gibt nicht viele Spieler, die ihm das Wasser reichen können. (Rudi Völler)

Der alles entscheidende Freistoß-Treffer zum 8:0 bei unseren ersten Match der WM 2002 gegen die Saudis. (Bernd auf die Frage nach seinem ersten Länderspiel-Tor)

Es war so eine Mittelschussflanke. (Bernd über seine Torvorbereitung beim Comeback gegen Gladbach)

Hauptsache nicht wieder Zweiter. (Bernd zu seinem dritten Rang bei der Wahl zum Fußballer des Jahres 2007)

„Schnix“ ist der einzige deutsche Fußballer, der sofort in der Selecao mitspielen könnte. (Der brasilianische Nationalspieler Juan bei seinem Abschied von Bayer 04)

Ein Typ wie er fehlt Real zurzeit, jemand mit diesen technischen Qualitäten, der den tödlichen Pass zu spielen und eine Partie zu lesen vermag. (Bernd Schuster vor Bernd Schneiders nicht zustande gekommenen Wechsel zu Real Madrid)

Die tollste Nachricht kommt aus Leverkusen: Seine Hoheit Senor Bernd Schneider do Brasil, der Chef Executive der Bayer-Mittelfeld-Group, ist wieder da. 253 Tage nach seiner Halswirbeloperation steht der 35-Jährige wieder im Mannschaftstraining. (Christof Kneer am 4. Januar 2009 in der Süddeutschen Zeitung)

Ganz klar der Bernd. Ein wunderbarer Spieler. Schade, dass er seine Karriere beenden musste. (Renato Augusto, Bayer 04 Leverkusen, auf die Frage, wer der bessere Brasilianer ist: Er oder Bernd Schneider)

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