BS196
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Von H.J. Weskamp

An so manchen Tagen, an dem einem die Welt grau in grau erscheint und es entsprechend um die Laune nicht zum Besten bestellt ist, denk’ ich mir einfach, dass dieses Leben zu kurz ist für schlechten Fußball. Aber Hilfe ist nah, der Elektronik sei Dank. Glücklicherweise gibt’s ja noch You Tube, die Internet-Plattform für kleine Fluchten aus dem Alltag.

Das Stichwort „bernd schneider/youtube“ ist der Schlüssel. Ich schau mir also ein paar Filmchen an. Nicht solche wie Sie denken mögen. Filmchen in Ehren versteht sich. Videos von schauriger Qualität, unterlegt mit hektischer Musik. Aber das macht nix. Sie zeigen das Hackentrick-Tor des Fußballkünstlers „Schnix“ im Leverkusener Europapokal-Heimspiel gegen Blackburn. Oder die besten Tricks und Treffer des Nationalspielers Bernd Schneider für Deutschland am Stück. Zu sehen ist ein Fußball-Ästhet, der sich offenbar die seinerzeitige taktische Anweisung des DFB-Teamchefs Franz Beckenbauer (bei der WM 1990) zu eigen gemacht hat: „Geht’s raus und spielt’s Fußball!“

An so manchen Tagen ist der Mensch mit winzigen Filmchen froh zu machen. Ein kleiner Clip zum großen Glück.

Im Netz ist Bernds Fußballkunst eben so wenig zu löschen wie in den Köpfen der Menschen, die diesen Sport lieben. Die Bilder des Kickers, der mit dem Ball tanzt, bleiben lebendig. Das ist tröstlich gerade an einem Abschiedstag, wo die vielen Komplimente bei dem einen oder anderen Zeitgenossen das Weh im Herzen eher noch verstärken.

Wir haben bei der Produktion dieses Magazins zu Bernds Abschiedsspiel natürlich auch über sein Verhältnis zu Kollegen gesprochen. Bei dieser Gelegenheit hat er auch verraten, dass sich seine ursprüngliche Vorliebe für ein bestimmtes Team durch die persönlich erlebten Vorkommnisse in einem einzigen Match ins Gegenteil verkehrt hatte.

Am nächsten Tag bat er nachdrücklich darum, diese Aussage wegzulassen. Klar, machen wir. Allerdings möchten wir diese Episode zu dem Hinweis nutzen, dass sie mehr über den Sportsmann Schneider aussagt als viele Lobreden zur Feier des Tages.

In aller Bescheidenheit möchten wir uns abschließend der feinen Liebeserklärung des echten Brasilianers Renato Augusto an den „weißen Brasilianer“ Schnix anschließen. Vom Express-Reporter gefragt, wer denn der bessere Brasilianer sei, antwortete der 22Jährige: „Ganz klar der Bernd. Ein wunderbarer Spieler. Schade, dass er seine Karriere beenden musste.“

Blick zurück und Gruß nach vorn, Bernd!

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